Wie Titel so Buch: Jeremy C. Shipp / “Der Trip”
19. Februar 2012 Hinterlasse einen Kommentar
Bernard Johnson plant seine Weltreise. Jetzt, nachdem die Schulzeit endlich durchgestanden ist, was könnte es schöneres geben als mit einer Touristengruppe Pauschalurlaub zu machen. Überall auf der Welt, irgendwie immer wiederkehrend gleich. Spätestens in Neuseeland beginnt Bernard sich zu langweilen und daran ändert auch die ständige Gesellschaft von Krow nichts, die an ihm schnüffelt und ihn vollquatscht mit allem möglichen, Tag und Nacht. In der Reisegruppe um Guide Jack ändert sich nichts, egal welchen Kontinent sie bereisen.
Gesponsert von Großkonzernen, um die Jugend auf andere Gedanken zu bringen aber dann findet sich Bernard – durch den gezielten Schuss einer Spritze – plötzlich auf der anderen Seite wieder. Als Gefangener im Konflikt zwischen den Meek und den Tic. Die Tic kontrollieren die Massenmedien während die Meek versuchen, den Menschen echte Informationen unterzujubeln, damit sie sich von den Tic-Medien befreien können. Über all dem steht die Agentur, doch zuerst muss sich Bernard gegenüber Noh, die ihn gern in die Gardener-Gruppe aufnehmen würde, in einigen Tests beweisen.
Bernard verliebt sich. Zuerst in das Hologramm der Tochter des Generals der Tic, dann in Anführerin Noh bei den Meek und er beschließt selber Gardener werden zu wollen und in dieser anderen Welt mitzumischen, doch plötzlich will man ihn zurück bringen dorthin wo er gar nicht mehr leben möchte, in die reale Welt, um genau zu sein die reale Welt des Irrenhauses.
Jeremy C. Shipp hat “Der Trip” bereits 2007 veröffentlicht, doch das Buch wurde erst jetzt durch Voodoo Press auf Deutsch herausgegeben. Irgendwo zwischen surrealen Drogengeschichten, in denen nicht einmal der Protagonist eine klare Linie erkennt und Traumata, die es gilt aufzuarbeiten durch die Figur selbst siedelt sich der Roman selbst als Bizarro an. Wenn wir einmal absehen davon, dass die ständige Genre-Stempelung sowieso nirgendwo hin führt, bin ich mir (trotz der Nominierung zum “Wonderland Award for best Bizarro Fiction” ) unschlüssig ob es sich wirklich um Bizarro handelt, nur weil es keine logische Konstante im Text gibt, da Bernard gegen Ende zugibt, dass diese Geschichte vielleicht als Spinnerei abgetan werden könnte. Nicht erlebt sondern auf einem Trip geträumt, schlussfolgert der Leser, anders als bei den meisten Genre-Romanen.
Im Großen und Ganzen erinnert die Geschichte sehr an Rainald Grebes 2006 erschienes düster drastisches Machwerk “Global Fish”, nur verwirrender und einen noch mehr in Zweifeln zurücklassend, was man da gerade gelesen hat. Da dies zumindest unter Bizarro-Lesern gewissermaßen ein Qualitätsmerkmal darstellt, kann ich das Büchlein durchaus empfehlen, hätte mir aber auf den 177 Seiten doch manchmal ein wenig mehr klare Gedankengänge gewünscht zwischen all der angedeuteten Gesellschaftskritik.
“Der Trip” ist bei VoodooPress erschienen und für 12,95€ erhältlich. Eine Leseprobe findet sich hier.
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